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„Inklusive Horte sollten selbstverständlich werden“

Konkret bedeutet das: Wenn ein Inklusionskind eine intensive Betreuung braucht, bekommt es sie. Aber wenn es am nächsten Tag lieber spielt und das Erlernte ausprobiert, kann die Fachkraft anderweitig eingebunden werden – zum Beispiel fürs Dokumentieren und Planen der weiteren Förderarbeit.

„Wir sehen im Alltag: Es lohnt sich, das Leitbild der Inklusion auch dann zu verfolgen, wenn es Widerstände gibt“, betont Brigitte Will. „Damit leisten wir einen Beitrag für ein besseres Miteinander und tragen die inklusive Idee in die Gesellschaft hinein“. Vor 25 Jahren wurde der erste AWO-Hort in Veitshöchheim gegründet, 2012 kam ein weiterer dazu. Seit 2014 sind beide offiziell Inklusions-Horte. Aber die Idee habe es von Anfang an gegeben, erzählt Will. Wobei Inklusion damals wie heute sehr breit verstanden werde: Alle Kinder werden mit ihren besonderen Merkmalen und Bedürfnissen angenommen – egal ob sie geistig oder seelisch behindert, arm oder geflohen sind.

Eine Hürde dabei ist die Bürokratie. In Regeleinrichtungen zahlen die Kostenträger für „Einzelintegration“ - was schon nicht sehr inklusiv klingt. Es sei zwar gut, sagt Brigitte Will, dass das Bayerische Kinderbildungs- und betreuungsgesetz (BayKiBiG) für Inklusionskinder einen erhöhten Personalschlüssel vorsehe. Besser wäre es ihrer Meinung nach, wenn jede Einrichtung von vornherein inklusiv wäre – und alle Kinder von der Förderung profitieren.

Das könnte auch den Eltern vieles erleichtern. Die meisten hören ja nicht gerne, dass ihr Kind zum Beispiel von einer seelischen Behinderung bedroht ist, dass es unkonzentriert oder aggressiv ist. „Wenn man ihnen aber sagt: Ihr Sohn bekommt die Förderung, die er braucht, aber er wird es im Alltag erstmal gar nicht merken – dann können Eltern es leichter annehmen“, sagt Will. Leider bleibt es im heutigen System nicht dabei. Unabdingbar ist die Diagnose eines Mediziners, die Beantwortung aufwendiger Fragebögen vom Kostenträger durch die Eltern und die Überprüfung der Beeinträchtigung des Kindes in der Familie durch das Jugendamt. Manchmal folgt sogar ein juristischer Streit um die Kosten.

Das alles ist ein Kraftakt. Übrigens auch für die Einrichtung selbst: Vom ersten Elterngespräch bis zur Kostenzusage vergehen in der Regel sechs bis elf Monate. Zwar liegt das Fachpersonal meist richtig, wenn es vermutet, dass ein Schüler womöglich von einer seelischen Behinderung bedroht ist. Aber zunächst muss der Hort mit der zusätzlich erforderlichen Förderung in Vorleistung gehen. Und wenn die Fachkräfte doch mal daneben liegen, bleibt der Träger auf den Kosten sitzen.

„Am allermeisten wünschen wir uns, dass inklusive Kitas und Horte einfach selbstverständlich werden“, sagt Brigitte Will, „und dass wir uns nicht mehr ständig für Inklusion rechtfertigen und erklären müssen“.

Von Sarah Benecke

Erleben Sie Brigitte Will auf dem KITA-Kongress der ConSozial: 09. November 2017, "Inklusion in Schülerhorten - Engagement für Vielfalt, die sich lohnt?"

 

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