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Über große Fortschritte, gedimmtes Rampenlicht und den langen Weg zu den Paralympics

Reiterin Elke Philipp und Radprofi Michael Teuber haben sich ihren sportlichen Erfolg hart erkämpft. Beide haben Schicksalsschläge bewältigt, sich wieder aufgerappelt – und sind inzwischen paralympische Champions. Sie sind sich einig, dass die Aufmerksamkeit für Sportler mit Behinderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Auch die Politik sei sehr engagiert, sagen sie. Aber von einer echten Inklusion, von einer Gleichstellung etwa der Paralympischen mit den Olympischen Spielen, könne noch keine Rede sein.

Mit 20 Jahren erkrankte Elke Philipp an Gehirnhaut- und Kleinhirnentzündung. Bis heute hat sie eine zentrale Funktionsstörung der kompletten Muskulatur, die sich unter anderem durch Spastiken und eine Fehlsteuerung der Stimmbänder äußert. Nur durch eine permanente Öffnung der Luftröhre nach außen hat sie bei körperlicher Anstrengung genug Sauerstoffzufuhr. Über das therapeutische Reiten kam Philipp Anfang der 90er Jahre auf das Pferd – und kann sich seitdem kein Leben mehr ohne vorstellen. Es war aber ein langer Weg, bis sie 2010 den bayerischen Meistertitel holte, 2013 bei der Deutschen Meisterschaft siegte und 2016 mit ihrem Team die Silbermedaille bei den Paralympics in Rio gewann. Und es war einer, der mit hohen Investitionen verbunden war. Elke Philipp erinnert sich noch genau, als 2011 einer der Bundestrainer ihr sagte, dass sie es an die Spitze schaffen könne – aber nicht mit ihrem aktuellen Pferd. Also kaufte sie ein neues, aus eigenen Ersparnissen. Es gebe sehr talentierte Nachwuchs-Reiter mit einer Behinderung, aber oft scheitere ihre Karriere am Geld, sagt Philipp. „Es fehlt leider noch an einer guten Grundförderung“. Auch das mache die Inklusion schwieriger.

Allerdings beobachtet die Reiterin, die mit ihrem Mann im fränkischen Altmühltal lebt, auch große Fortschritte. Bei der Europameisterschaft in Dänemark 2013 seien nichtbehinderte und behinderte Reiter gemeinsam an einem Ort gewesen, sogar im gleichen Hotel. Das erleichterte nicht nur den zwischenmenschlichen Austausch, sondern bescherte den Para-Reitern auch mehr Medienaufmerksamkeit.

„Für uns wird das Rampenlicht doch normalerweise runtergedimmt“, sagt Michael Teuber. Der fünffache Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner nennt Spitzensportler wie sich selbst deswegen auch „Helden zweiter Klasse“. Wie, fragt er sich manchmal, würde ein Olympionik mit vergleichbaren Erfolgen hofiert? Teuber hatte als Abiturient 1987 einen Autounfall. Er war querschnittsgelähmt und die Ärzte prophezeiten ihm ein Leben im Rollstuhl. Doch zwei Jahre nach dem Unfall stieg er aufs Rad – auch, weil es einfacher als Gehen war. Seit 1997 trainiert er professionell, inzwischen kann er seinen Lebensunterhalt damit verdienen. Heute ist Michael Teuber, der nahe München lebt, einer der erfolgreichsten Para-Sportler in Deutschland.

„Inklusion ist für mich immer ein selbstverständliches Bestreben gewesen“, sagt er. Um sie weiter voranzutreiben, müssten Para-Spitzensportler etwa den gleichen Zugriff auf Physiotherapeuten und Geräte haben wie Olympioniken. Immerhin: Im Oktober gab es eine Anhörung des Bundestags-Sportausschusses zum neuen Leistungssportkonzept. Teuber vertrat dort den Para-Sport. Am Ende wurde festgehalten, dass dieser mit dem olympischen Sport gleichgestellt sein soll. „Die Politiker“, lobt Teuber, „haben sich stark engagiert, die wollen das. Jetzt geht es darum, dass die Verbände es umsetzen“. Dann wäre es ein echter Meilenstein.

Von Sarah Benecke

Erleben Sie Elke Philipp und Michael Teuber auf der ConSozial: 09. November 2017, 11:45-12:30 Uhr ConSozial Extra "Wie inklusiv ist Spitzensport?" auf der Messebühne

 

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