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Wir brauchen einen Wertewandel

Sie hatte noch Milch für ihren Latte Macchiato gebraucht und kurz bei der Nachbarin geklingelt. Jetzt, an diesem Morgen im Februar, mit der dampfenden Tasse in der Hand, fühlt sich Maike van den Boom zufrieden. Man könnte auch sagen: glücklich. Was ein schöner Umstand ist – denn die Autorin ist seit Jahren auf der Suche nach dem Glück. Nicht nur nach ihrem eigenen, natürlich. „Glückliche Menschen sind viel offener, kreativer und bereit zu teilen“, sagt van den Boom. Und Glück hält sie für das Ergebnis der Werte, die wir leben.

Auf ihren Reisen hat sie erlebt, wie sehr sich etwa in Schweden diese Werte von denen in Deutschland unterscheiden. Die Deutschen, stellt sie fest, konzentrieren sich auf Gegensätze und lieben es, Kontrolle zu haben. Die Schweden arbeiten viel mehr zusammen. Das zeigt sich auch in den Unternehmen. Geschäftsführer sprechen dort von „Liebe und ehrlichem Mitgefühl“ für ihre Angestellten, als wäre das selbstverständlich. „Einer erklärte mir: Ich fühle mich wirklich nicht besser als meine Mitarbeiter – ich habe nur eine andere Rolle“, erinnert sich Van den Boom. Viele Mitarbeiter meinten: Was sie glücklich mache sei, dass sie gesehen werden – als Mensch und mit ihrem persönlichen Potenzial. Dieses Gefühl, wichtig zu sein für andere, sei doch der Kern jeder Gemeinschaft, sagt die gebürtige Heidelbergerin. „Ich glaube, das verlieren wir in Deutschland zu oft aus den Augen“.

Das, was sie beschreibt, ist nichts anderes als Inklusion – das Thema der diesjährigen ConSozial, auf der sie den Eröffnungsvortrag hält. Deutschland hat das Ziel, jeden Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen - auch am Arbeitsmarkt. Aber dafür, meint die Autorin, brauche es einen Wertewandel. Hierzulande werde Arbeit eher als notwendiger individueller Broterwerb gesehen. In Skandinavien gelte sie als eine positive Möglichkeit, seinen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten. Tatsächlich sind schon kleine Kinder zufriedener und entwickeln sich besser, wenn sie Dinge ausprobieren können und ihnen etwas zugetraut wird.

So macht Maike van den Boom drei wichtige Punkte aus, auf die Firmen achten sollten:

  1. Menschen müssen die Freiheit haben, dass zu tun, worin sie gut sind und für was sie brennen – und dafür den gleichen Respekt und die gleiche Anerkennung bekommen, egal ob sie Hoteldirektor oder Zimmermädchen sind
  2. Arbeit muss mit dem Privatleben kompatibel sein. In Skandinavien sind Meetings nach 15 Uhr selten. Denn Zeit mit der Familie liefert ja auch neue Energie für den Job.
  3. Vertrauen. Mitarbeiter müssen in Entscheidungen einbezogen werden und ihre Arbeit möglichst eigenverantwortlich erledigen können. Es sollte sie niemand schief angucken, wenn sie mal um 14 Uhr gehen – wenn sie im Job glücklich sind, setzen sie sich auch abends wieder vor den Laptop.

Das alles, sagt Van den Boom, habe wenig mit Management-Techniken zu tun und viel mit dem Menschenbild eines Unternehmens, eigentlich sogar dem einer ganzen Gesellschaft. Dieses Bild zu wandeln, liege daher nicht nur bei den Vorgesetzten – sondern bei jedem einzelnen von uns.

 Von Sarah Benecke

 

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