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Rückblick ConSozial 2017

„Für die Inklusion haben wir in den vergangenen Jahren mehr erreicht als jemals zuvor“, sagte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller bei der Eröffnung der ConSozial 2017. Und es gab niemanden, der dieser Feststellung widersprach. Trotzdem: Der größte Kongress der Sozialbranche unter dem Motto „Zukunft Inklusion“ zeigte auch, wie viele Potenziale es noch gibt, um gesellschaftliche Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen – und wie hoch das Interesse daran ist. Auf knapp 4300 Quadratmetern präsentierten 224 Aussteller ihre Konzepte. Mit 5700 Besuchern konnte die ConSozial ihre Rekordzahl von vergangenem Jahr halten.

 

Zukunft Inklusion, die Podiumsdiskussion zum Motto der ConSozial 2017. (© NürnbergMesse/Thomas Geiger)
Zukunft Inklusion, die Podiumsdiskussion zum Motto der ConSozial 2017. (© NürnbergMesse/Thomas Geiger)

 

Manchmal sind es die scheinbar kleinen Innovationen, die das Leben leichter machen. Zum Beispiel eine App, die Behördenschreiben in mehrere Versionen von leichter Sprache übersetzt. So kann der Nutzer selbst entscheiden, welche Schwierigkeitsstufe er am besten versteht. Oder eine Software, die das sogenannte Teilhabemanagement erleichtert. Für Letzteres wurde die Josefs-Gesellschaft Köln gGmbH, ein katholisches Sozialunternehmen, mit dem ConSozial Management-Preis ausgezeichnet. Ihr Konzept stellt den Menschen mit seinen persönlichen Bedürfnissen in den Mittelpunkt – und gibt ihm einen Case Manager als zentralen Ansprechpartner an die Seite.

Technik allein führt aber natürlich nicht zum Ziel einer inklusiven Gesellschaft. Wichtig sei, dass die Barrieren auch in den Köpfen abgebaut werden – das betonten in Nürnberg unisono Ministerin Emilia Müller, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und Verena Bentele, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung. Am besten, sie bauen sich gar nicht erst auf. Etwa dadurch, dass Kinder einen unverkrampften Umgang mit Behinderungen lernen – was leichter fällt, wenn schon die Kita, ganz selbstverständlich, inklusiv arbeitet. Wie das wiederum funktionieren kann und warum es sich lohnt, war ein Thema auf dem Kita-Kongress der ConSozial.

Insgesamt wurde auch in den Nürnberger Messehallen klar, wie rasant sich die Sozialbranche derzeit wandelt. Deshalb verlor die ConSozial auch die großen Fragen nicht aus dem Blick: Müssen wir unser Wirtschaftssystem reformieren – damit für Unternehmen nicht nur der Gewinn, sondern das Gemeinwohl zählt? Wie bleibt die Pflege auf Dauer finanzierbar? Und wie sieht unsere Arbeitswelt 4.0 aus, wie balancieren wir Job und Privatleben aus? All das hat nicht nur mit Inklusion zu tun. Aber auch. Denn es verändert, wie wir miteinander leben.

Am besten wäre es doch, sagte eine Besucherin, wenn wir den Begriff Inklusion in 20 Jahren gar nicht mehr benutzten – weil das, wofür er steht, so selbstverständlich geworden ist.

Von Sarah Benecke

 

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