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Gleiche Chancen für alle Bewerber

Warum es sich für Wirtschaft und Gesellschaft lohnt, Menschen mit Behinderung bei Jobangeboten gleichwertig zu behandeln

Gregor Demblin ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man es im Leben weit bringen kann, selbst wenn die Vorzeichen nicht die besten sind. Seit einem Badeunfall im Jahr 1995 ist der erfolgreiche Unternehmer und Vater von drei Kindern vom fünften Halswirbel an querschnittsgelähmt. Demblin sitzt im Rollstuhl und ist im Alltag auf Hilfe angewiesen. Aus seiner Not hat der 41-Jährige eine Tugend gemacht. Seine MyAbility Social Enterprise GmbH ist eines der erfolgreichsten Sozialunternehmen Europas.

„Wir können es uns auf Dauer nicht leisten, 15 Prozent der Menschen in unserer Gesellschaft außen vor zu lassen“, sagt Gregor Demblin. So viele Menschen mit Behinderung gebe es und 95 Prozent dieser Handicaps seien für Außenstehende nicht wahrnehmbar. In der Arbeitswelt seien Behinderungen jedweder Art leider immer noch ein Tabuthema. Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, halten Arbeitnehmer ihre Schwierigkeiten geheim. Die Folge: Sie versuchen, dem Druck stand zu halten und schaffen es jedoch nach einer Zeit der Kompensation nicht mehr, die volle Arbeitsleistung zu bringen.

Es sei weder kostspielig noch kompliziert, diese Mitarbeiter zu unterstützen, sagt Demblin. Durch flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Tage zum Beispiel, aber auch durch spezielle Soft- oder Hardware-Komponenten. „Unterstütze ich diese Mitarbeiter nicht, verpulvere ich nur Lohnkosten ohne Ende, anstatt die fehlende Produktivität durch Unterstützung abzufedern“.

Menschen mit Behinderung sind nicht nur potentielle Mitarbeiter, sondern auch Kunden. Und zwar Kunden, auf deren Bedürfnisse nur selten eingegangen wird, gibt der Sozial-Unternehmer zu bedenken. Mit der Rewe-Gruppe betreut Demblin einen Großkunden, der bald mehr als 1.500 seiner Filialen in Österreich barrierefrei umgebaut haben will. Ein wirtschaftlich kluger Schritt, denn die Bevölkerung in Europa wird immer älter - und damit einhergehend die Zahl der Kunden immer größer, für die  Barrierefreiheit Voraussetzung ist, um Angebote und Dienstleistungen überhaupt nutzen zu können.

Immer mehr Menschen mit körperlichen Einschränkungen? Das wird kommen. Die Lösung, sagt der Unternehmer, müsse aus der Wirtschaft kommen. Inklusion sei nichts, was man verordnen könne. Stattdessen müssten Unternehmen lernen, die riesigen Chancen und Menschen mit Behinderung als wertvolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie als wichtige Kundengruppe zu sehen - und zu bedienen. Das zahle sich langfristig aus. Durch motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine Leistungssteigerung und einen Imagegewinn für das Unternehmen. MyAbility berät und unterstützt Unternehmen bei Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit und bietet gleichzeitig über eine Jobplattform für Menschen mit und ohne Behinderung potentielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.

Für die Zukunft setzt Demblin auf neue Technologien. Er ist davon überzeugt, dass sie viele Behinderungen ausgleichen werden. Demblin selbst gönnt sich alle zwei Wochen das Glücksgefühl, wieder laufen zu können. Dann schlüpft er in das mechanische Exoskelett seines Therapeuten. Irgendwann, hofft der umtriebige Unternehmer, werde es diese unterstützenden Anzüge einfach zu kaufen geben.

VON MICHAELA ZIMMERMANN

Fachvortrag im Kongress am 08.11.2018 (Donnerstag) von 13:00 - 14:00 Uhr: "Behinderung. Kompetenz. Erfolg."

Gregor Demblin, Magisterstudium Philosophie, Berater im Bereich Behinderung und Arbeit u.a. der EU, Co-Founder CAREER MOVES, Co-Founder und CEO myAbilitity Social Enterprise GmbH, Wien, Österreich 

 

 

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