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Avatare - Assistenten der Zukunft?

Billie hat nie schlechte Laune. Stets erledigt er seine Aufgaben akkurat und zuverlässig. Dabei legt er tadellose Manieren an den Tag und geht bei Missverständnissen gezielt auf sein Gegenüber ein. Doch Billie ist kein Mensch. Der Avatar oder virtuelle Assistent wurde in einem interdisziplinärem Forschungsprojekt entwickelt. Dazu gehört auch Melissa Henne, die für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel tätig ist.Die 36-Jährige Gerontologin erforscht, wie Technik die Lebensqualität von Senioren und Menschen mit Unterstützungsbedarf verbessern kann.

Billie soll Senioren mit kognitiven Einschränkungen und Menschen mit Behinderung im täglichen Leben unterstützen. Nach einer Testphase soll Billie erstmals auf Probe bei einem älteren Menschen einziehen. Melissa Henne ist gespannt, wie sich der virtuelle Assistent schlagen wird. Wird ihn sein neuer Nutzer ins Leben miteinbeziehen oder landet er ausgeschaltet in der Ecke?

Bislang verfügt Billie über zwei Funktionen. Auf Wunsch stellt er Videotelefonate her - ähnlich wie Skype - außerdem bietet er eine intelligente Kalenderfunktion. Er hilft Menschen beim Termin-Management und erinnert sie an das Einhalten der Tagesstruktur. Melissa Henne sagt, dass Billies Fähigkeiten längst nicht ausgeschöpft sind.

Theoretisch wäre der virtuelle Assistent in der Lage, Inhalte aus dem Internet vorzulesen, komplexe Arbeitsschritte zu erklären und noch besser auf seine Nutzer einzugehen. Irgendwann wird Billie selbst Entscheidungen treffen. Er wird etwa einen Notruf absetzen, wenn sein Nutzer auf Ansprache nicht mehr reagiert. Die künstliche Intelligenz wird physische Werte, wie Blutdruck und Blutzuckerspiegel ihres Nutzers messen und kontrollieren.

Billies Assistenz soll sich irgendwann nicht mehr auf die Wohnung beschränken. Ziel ist es, die Technologie so auszuklügeln, dass sie dem Nutzer überall zur Verfügung steht. Für den Anfang seien zwei Funktionen erstmal ausreichend, sagt Melissa Henne. Die Menschen müssten erst die Scheu vor virtuellen Assistenten ablegen.

Die Gerontologin, die auf der Consozial einen Vortrag zu ethischen Fragen in diesem Kontext hält, ist überzeugt davon, dass Billie, aber auch intelligente Wohnungen oder digitale Alltagsgegenstände das Leben und die Pflege alter Menschen verändern werden. Pflegebedürftige Senioren könnten länger zu Hause leben. Menschen mit Behinderung könnten wirklich am gesellschaftlichen Leben teilhaben, weil ihre Defizite von der Technologie kompensiert werden.

Doch bevor es soweit ist muss die Gesellschaft viele offene und ethische Fragen diskutieren. Zum Beispiel hinsichtlich der Finanzierung, denn die neuen Helfer sollen allen Menschen zur Verfügung stehen. Außerdem dürfen sie kein Ersatz für menschliche Zuwendung sein. Melissa Henne hegt die Hoffnung, dass Roboter dem Pflegepersonal der Zukunft so viele Aufgaben abnehmen, dass sie mehr Zeit für das Zwischenmenschliche haben: „Auch in 50 Jahren wird es einen Unterschied machen, ob mir ein Roboter oder ein Mensch auf dem Sterbebett die Hand hält.“

Von Michaela Zimmermann

Erleben Sie den Fachvortrag von Melissa Henne auf dem Kongress der ConSozial am Donnerstag, 08. November 2018 von 13:00-14:00 Uhr: "Mehr Lebensqualität durch Technik?" 

 

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