Miteinander nach vorn – wie kann das klappen?
05.07.2023 Rund um die Messe Experten-Wissen

Miteinander nach vorn – wie kann das klappen?

#wirsindconsozial, bedeutet für uns Stimmen Raum zu geben. Wir haben „Ohrenkuss“ gefragt, was Sie unter dem diesjährigen Motto „Innovation x Sozial: Miteinander nach vorn.“ verstehen.

Workshop Situation, Brainstorming zwischen zwei Teilnehmern der Redaktion Ohrenkuss

„Im Meer zu baden ist einfach schön.
Beim Tauchen frei sein und alles vergessen.“ 

Das bedeutet Freiheit für Clara Buchgeister.

Für seine Hochzeit wünscht sich Ansgar Peters:
„Ich will ein Hochzeits-Auto.
Ein alten Rolls Royce, einen englischen Oldtimer von 1928.“


Lukas Meyer* sagt:
"Ich möchte selbst entscheiden, ob ich ein Vater werde oder nicht."

„Mein Traumberuf ist Journalist zu werden, das ist mein Traumberuf.
Als Journalist kam ich auch zu Hause arbeiten und den Haushalt machen, auf die Kinder aufpassen, wenn meine Freundin auch mal Kinder kriegen will.“

Das wünscht sich Dominik Edler.

Nachvollziehbare Wünsche? Sie finden, nichts spricht dagegen, diese Wünsche umzusetzen? Und verändert es Ihre Perspektive, wenn Sie erfahren, dass diese Zitate von Menschen mit Down-Syndrom stammen? Alle vier Personen sind Autor*innen des Magazins Ohrenkuss.

Wie leben Menschen mit Down-Syndrom 2023? Welche Forderungen und Wünsche haben sie? Wie sieht ihr Alltag aus? Viele Menschen haben keine Vorstellung davon, Kontakt zu Menschen mit Down-Syndrom haben die Wenigsten. Viele Jahre lang bedeutete ein Leben mit Down-Syndrom in Deutschland: Wohnen im Wohnheim und Arbeiten in der Werkstatt. Aber eine jetzt junge Generation mit Down-Syndrom will so nicht mehr leben.

Ohrenkuss-Autorin Natalie Dedreux findet:

„Wir Menschen mit Down-Syndrom wollen mehr erreichen. Wir wollen für den Ohrenkuss weiter gute zusammen Arbeit machen und auch weiter so gute Texte für den Ohrenkuss schreiben. Wir wollen die Leute informieren, was das Down-Syndrom eigentlich ist.“

Lange wurde in Deutschland nur über Menschen mit Down-Syndrom gesprochen statt mit ihnen. Heute sprechen Menschen mit Down-Syndrom für sich selbst und sind Teil gesellschaftlicher Diskurse.

Anna-Lisa Plettenberg wünscht sich:

„Leute mit Down-Syndrom sind klug. Ich will, dass die Menschen das wissen!“

Darum schreibt sie für das Magazin Ohrenkuss. Ohrenkuss veröffentlicht seit 25 Jahren Texte von Menschen mit Down-Syndrom zu Themen wie Mode, Zukunft oder Humor. Als das Redaktionsteam 1998 mit der Arbeit begann, war noch Lehrmeinung, Menschen mit Down-Syndrom könnten nicht lesen und schreiben lernen und seien ein Leben lang auf die Versorgung durch ihre Familien angewiesen. Heute, 25 Jahre später, ist klar: Beides stimmt nicht.

Julian Göpel ist 40 Jahre alt. Er lebt in einer eigenen Wohnung in Leichlingen. Er schreibt:
„Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, komme ich alleine in die Wohnung rein.
Selbstständig.
Ich kann alles in meiner Wohnung alles alleine machen.“


Auch Kathrin Brodmann lebt alleine in einer eigenen Wohnung. Sie beschreibt, in welchen Bereichen sie Assistenz braucht:
„Bei den Finanzen. Und für Ferienplanung, dafür brauche ich eine Unterstützung.
Und wenn etwas zu weit oben im Regal liegt, dann komme ich nicht dran.
Wenn ich ganz oben putzen will, dann muss ich eine Leiter holen.“


Ohrenkuss-Autor Daniel Rauers liebt sein Leben. Er schreibt:
„Ich habe ein gutes Leben.
Ich lebe in Köln, und so soll es bleiben.
Das ist mein Glück.
Ich habe auch eine gute Arbeit.
In Kaffeebar.
Wenn ich meine Arbeit gut mache, bin ich zufrieden.
Und die anderen auch.“


Aber das Team hat auch Forderungen, damit Barrieren im Alltag überwunden werden können. Paul Spitzeck fordert mehr Informationen in Leichter Sprache:
„Ich habe so viel gehört über die Ukraine.
Aber ich habe nicht alle Informationen.
Ich will mehr wissen.
Und nicht nur ich.
Ich will das für alle Leute.
In einem Krieg ist es wichtig zu wissen:
Was ist wahr und was ist eine Lüge?
Darum muss es mehr Informationen in Leichter Sprache geben, zum Lesen und zum Hören.“


Natalie Dedreux wünscht sich mehr Sichtbarkeit:
„Ich finde es gut, wenn die Leute uns Menschen mit Down-Syndrom sehen, und dass wir uns weiter sichtbar machen.“

Menschen mit Down-Syndrom haben die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen auch. Wenn sichtbarer wird, was sie brauchen, um gemeinsam mit allen ein gutes Leben zu haben, dann geht es auch miteinander nach vorn.

* Name geändert

Auf der Website von TOUCHDOWN 21 finden Sie mehr Informationen dazu.
Und hier finden Sie alle Informationen über das Magazin Ohrenkuss da rein da raus.

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